Schon Luther weilte im Auerbachs Keller

Das Lokal gehörte einst einem Freund des Reformators

Leipziger Disputation


Johann Tetzel – Porträt von C. G. Böhme, 1519
Johann Tetzel (Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)
1517 gilt als die Geburtsstunde der Reformation. Als Martin Luther am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche seine 95 Thesen anschlug, war dies der Auftakt für Luthers öffentliche Auseinandersetzung mit der Institution Kirche und dem Papsttum im Besonderen. Luther geißelte den geschäftsmäßigen Ablasshandel, mit dem Gläubige, statt zur Beichte zu gehen, sich selbst und ihre verstorbenen Angehörigen von Sünden freikauften. Für die Kirche stellte diese Praxis eine willkommene Einnahmequelle dar: Mit dem Geld wurde unter anderem der Bau des Petersdoms in Rom finanziert.

Luthers 95 Thesen richteten sich insbesondere gegen die Umtriebe des Ablasspredigers Johann Tetzel, der seine Mission im Auftrag des Erzbischofs Albrecht von Mainz und Magdeburg ausübte. Dabei ging er weiter als viele seiner Amtskollegen. Der Ausspruch „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ geht auf Tetzel zurück und zeigt, dass der Sündenerlass für ihn in erster Linie eine Frage des Geldes war, nicht der innerlichen Reue. Obwohl der Prediger in der Zeit um 1517 hauptsächlich im Erzbistum Magdeburg unterwegs war, zog er ebenfalls Gläubige von weither an. Auch Wittenberger Bürger suchten bei ihm Sündenerlass.
„Die Leipziger Disputation 1519“, Lithographie von Max Seliger, um 1900 (Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)
„Die Leipziger Disputation 1519“, Lithographie von Max Seliger, um 1900 (Foto: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig)

Der endgültige Bruch

Es wundert also nicht, dass gerade Erzbischof Albrecht und Johann Tetzel zu den glühendsten Gegnern der lutherischen Thesen avancierten. Der schwelende Konflikt sollte im Sommer 1519 in Leipzig ausgetragen werden – bei der „Leipziger Disputation“, einem Streitgespräch zwischen Luther und dem papsttreuen Theologie-Professor Johannes Eck aus Ingolstadt. Es wurde Luthers bedeutendster Besuch in der sächsischen Handelsstadt. Begleitet wurde er von zwei weiteren treibenden Kräften der Reformationsbewegung: dem Gelehrten Philipp Melanchthon und dem Theologen Andreas Karlstadt. Während des knapp dreiwöchigen Streitgespräches übernachteten die Wittenberger Reformatoren bei dem Buchdrucker Melchior Lotter in seinem Haus in der Hainstraße.
 
Am 27. Juni 1519 begann die Disputation mit einer Messe in der Thomaskirche, bei der auch der Thomanerchor zu hören war. Daraufhin lieferten sich die Duellanten in der Pleißenburg, wo sich heute das Neue Rathaus befindet, ein tagelanges Wortgefecht in Form von These und Gegenthese. Dabei ging es nicht nur um den Ablass, sondern auch um die Stellung des Papstes, den freien Willen oder die göttliche Gnade. Während Eck hartnäckig die Lehrautorität des Papstes und der Kirchenobrigkeit verteidigte, war Luther der Auffassung, dass sich das päpstliche Primat nicht aus der Heiligen Schrift ableiten ließe und auch Konzilien irren könnten. Am Ende beanspruchten beide Seiten für sich, den Sieg davongetragen zu haben. Für Martin Luther bedeutete die „Leipziger Kirchenschlacht“, wie die Disputation auch genannt wird, den endgültigen Bruch mit der römisch-katholischen Kirche. Da er sich weigerte, seine Thesen zum Ablasshandel zu widerrufen, verhängte man über Luther und seine Anhänger 1521 schließlich den Kirchenbann und die Reichsacht.
 
Übrigens: Der Ablassprediger Johann Tetzel starb 1519 kurz nach der Leipziger Disputation an der Pest, er wurde in der damaligen Paulinerkirche begraben.